Junge Stimmen präsentieren erstmals ihr Können

Fünf Sängerinnen einer Gesangsklasse stellten sich und ihre Talente im Seelbacher "Eulenspiegel" einem Publikum vor. Bericht aus der Badischen Zeitung     

SEELBACH. Braucht Seelbach einen Superstar? Das war die eher ironisch gemeinte Frage bei einem musikalischen Samstagabend im Kulturrestaurant Eulenspiegel. Dort haben fünf junge Sängerinnen einer Seelbacher Gesangsklasse ihre Talente vor Publikum vorgestellt. Die Besonderheit lag im schnellen Wechsel der Auftritte und der unterschiedlichen Stimmen, die alle in gewisser Weise ein Spiegel waren der individuellen Persönlichkeit, des Temperaments und der Ausstrahlung.

Der vielmehr spaßig gemeinte Vergleich mit dem Fernsehformat "Deutschland sucht den Superstar" hinkte wirklich, denn bei dem Gesangabend ist das Talent jeder Sängerin nicht bewertet, sondern einfach nur wahrgenommen und teils genossen worden. Liane Ruch, die Gesangslehrerin der fünf Schülerinnen, stellte vorneweg klar: "Ich finde, dass sich Gesang in einem Wettbewerb nicht messen lässt. Gesang ist von der Persönlichkeit untrennbar – er ist der Ausdruck der Seele." Wichtig sei, den Weg zu finden, um den eigenen Gesang zu entwickeln. Mit diesem Prolog gelang es Liane Ruch, Entspannung zu vermitteln und wohl auch, den jungen Frauen einen gewissen Druck zu nehmen. Denn die Plätze im "Eulenspiegel" vor der kleinen Bühne waren alle besetzt. Dass sich die Sängerinnen Einiges zutrauen, zeigte sich in der Songauswahl, die sich meist großer Künstlerinnen wie Lady Gaga oder Adele vorwiegend aus dem Popgenre bediente. In manchen Fällen war das in schwierigen Gesangspassagen gewagt, aber letztlich – dieser Status stimmt den Kritiker milde – eine hervorragende Leistung. Und es bereitete auch sichtbar Freude bei Zuhörern, in einzelnen Fällen Gänsehauteffekt. Die Differenziertheit zeichnete sich ab in den charakteristischen Klangfarben, dem Timbre der Sängerin.

So bewegte sich Ramona Vautländer mit Titeln der Weltstars Norah Jones oder Adele eher schüchtern auf der Bühne, was ganz ihrem scheinbar zarten Wesen entsprach und deshalb sehr authentisch war. Stark an Emotionen setzte sie spürbar aus ihrem Innersten heraus die Lieder um und berührte mit einem sehr ehrlichen und gefühlten Gesang. Ganz anders präsentierte sich Anne Schwörer, die gesanglich und an der Gitarre von ihrem Bruder Philipp begleitet wurde. Sehr auf Genauigkeit der Töne konzentriert, lieferte sie bei Titeln wie beispielsweise "I was born this way" von Lady Gaga eine präzise Intonation im sicheren Zusammenspiel mit ihrer Bühnenpräsenz.


Gesanglich rein und stimmlich gut gerüstet waren die Beiträge von Anne-Sophie Richter, die es mit Songs von Adele schaffte, die zärtliche Dramatik der Lieder ins Publikum zu transportieren. Gut vorstellbar in der Rock- und Popszene präsentierte sich Milena Ketterer. Sie bestach mit einer ausdrucksvollen Stimme, die besondere Kraft ausstrahlte. Es gelang ihr, zum Beispiel bei "You can feel my heart beating" von Rihanna, ihren intensiven Klang gefühlvoll auszuloten. Eine wiederum andere gesangliche Schiene bediente Britta Petersen, die in hohen Tonlagen nicht selten an Musicals erinnerte. Sie erfreute das Publikum mit frischer und selbstsicherer Performance. Fazit: fünf Mal Talent, fünf Mal Persönlichkeit, fünf Mal ganz viel Mut auf erstmal kleiner Bühne.